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Aktuelles in der ganzheitlichen Zahnmedizin

Hier finden Sie Neuigkeiten, Hinweise und Einblicke rund um die Themen der GZM, Statements, sowie Infos zu Fortbildungen, Projekte, fachliche Impulse und Entwicklungen aus der systemisch orientierten Zahnmedizin.

Wir möchten an dieser Stelle informieren, was uns bewegt, welche Themen wir aufgreifen und wo sich neue Perspektiven für Praxis, Wissenschaft und Austausch eröffnen.

Schauen Sie gerne immer wieder vorbei – diese Seite wächst mit den Aktivitäten der GZM.

Die Mitte ist kein Mittelmaß

Medizin lebt von Möglichkeiten. Von unterschiedlichen diagnostischen Blickwinkeln, verschiedenen therapeutischen Verfahren und nicht zuletzt von der Erfahrung, dass es für einen Menschen nicht immer nur den einen richtigen Weg gibt.

Gerade die ganzheitliche Zahnmedizin kennt diese Vielfalt. Wir beschäftigen uns mit wissenschaftlich etablierten Verfahren ebenso wie mit komplementären Ansätzen. Wir diskutieren Zusammenhänge, deren Evidenz unterschiedlich stark ist. Wir wägen ab, hinterfragen, verwerfen und entdecken neu.

Auch innerhalb unserer Gesellschaft sind wir keineswegs immer einer Meinung. Und das ist gut so.

Denn Vielfalt wird nicht dadurch wertvoll, dass alle dasselbe denken. Sie wird wertvoll, wenn unterschiedliche Überzeugungen nebeneinander bestehen können, wenn wir einander zuhören und wenn wir bereit sind, die Argumente des anderen ernst zu nehmen, ohne die eigene Haltung aufgeben zu müssen.

Vielleicht lohnt es sich gerade in diesen politisch und gesellschaftlich angespannten Zeiten, daran zu erinnern.

Wir erleben in Deutschland, wie Debatten härter werden, Positionen sich zuspitzen und die politischen Ränder an Zustimmung gewinnen. Die Versuchung ist groß, darauf ebenfalls mit Abgrenzung zu reagieren: hier die Richtigen, dort die Falschen; hier unsere Wahrheit, dort deren Irrtum.

Doch eine demokratische Gesellschaft lebt nicht davon, dass Unterschiede verschwinden. Sie lebt davon, dass wir mit ihnen umgehen können. Dass eine starke, stabile Mitte nicht als Beliebigkeit oder Schwäche verstanden wird, sondern als der Raum, in dem unterschiedliche Interessen, Erfahrungen und Überzeugungen miteinander ausgehandelt werden. Eine Mitte, die nicht jeden Standpunkt übernehmen muss, aber den Menschen dahinter nicht verliert.

Eigentlich ist das unserer Vorstellung von Zahnmedizin und Medizin erstaunlich ähnlich.

Auch hier gibt es unterschiedliche Schulen, Verfahren und Überzeugungen. Schulmedizin,  Erfahrungsheilkunde, hochspezialisierte Diagnostik und systemischer Blick, Leitlinie und individuelle Erfahrung müssen keine unversöhnlichen Gegensätze sein. Entscheidend ist, dass wir uns nicht an Verfahren festhalten, sondern am Menschen orientieren.

Denn am Ende behandeln wir keine Methode. Wir behandeln einen Menschen.

Und dieser Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Beschwerden, seine Erwartungen und manchmal auch seine ganz eigene Vorstellung davon mit, welcher therapeutische Weg für ihn richtig ist. Unsere Aufgabe kann deshalb nicht darin bestehen, Patienten und Patientinnen zu verlieren, weil sie anders denken, anders fragen oder einen anderen Weg bevorzugen. Unsere Aufgabe ist es, sie verantwortungsvoll zu begleiten, Möglichkeiten aufzuzeigen, Grenzen zu benennen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Genau dafür steht die Systemische Orale Medizin.

Und vielleicht zeigt gerade diese Ausgabe sehr schön, was damit gemeint ist. Das Spektrum ist weit: Wir beschäftigen uns mit Mundgesundheit und Entwicklung bereits im Säuglingsalter und mit pränatalen und frühen Einflüssen auf die Zahnbildung. Wir greifen MIH und chronische Schmerzgeschehen auf. Martina Obermeyer stellt die Mund-Akupunktur nach Gleditsch und ihre Erfahrungen mit diesem diagnostischen und therapeutischen Verfahren vor. Dorothea Thomaßen richtet den Blick mit der hypnotherapeutischen Intervention auf einen wiederum ganz anderen Aspekt der Behandlungsmöglichkeiten.

Diese Themen müssen nicht miteinander zusammenhängen. Und auch die darin vorgestellten Gedanken und Verfahren müssen nicht von jedem von uns gleich beurteilt werden. Nicht jedes Verfahren gehört in jede Praxis, nicht jede Erklärung überzeugt jeden gleichermaßen und nicht jede Erfahrung lässt sich ohne Weiteres übertragen.

Aber genau darin liegt für mich der Wert einer Fachgesellschaft und auch einer Zeitschrift wie der SOM: unterschiedliche Ansätze sichtbar zu machen, Wissen und Erfahrung zur Diskussion zu stellen und unseren Leserinnen und Lesern zuzutrauen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Offenheit bedeutet nicht, alles für richtig zu halten. Sie bedeutet, sich mit etwas auseinanderzusetzen, bevor man es verwirft – und dabei immer zu fragen, was den Patientinnen und Patienten nutzen kann.

Dass diese SOM gemeinsam mit dem Zaenmagazin erscheint, empfinde ich deshalb als besonders passend. Zahnmedizin und Humanmedizin begegnen sich hier nicht als getrennte Welten, sondern als unterschiedliche Perspektiven auf denselben Menschen. Auch das Zaenmagazin zeigt in dieser Ausgabe mit Akupunktur und TCM in der Kinderarztpraxis, Physiotherapie, Osteopathie, Forschung zur Akupunktur und weiteren Themen ein breites Spektrum integrativmedizinischer Ansätze.

Vielleicht können wir aus unserer täglichen medizinischen Arbeit sogar etwas in die gesellschaftliche Debatte mitnehmen: Unterschiedliche Wege müssen uns nicht auseinandertreiben. Wir dürfen streiten. Wir dürfen zweifeln. Wir dürfen unterschiedliche Überzeugungen haben. Aber wir sollten neugierig aufeinander bleiben, Argumente prüfen und immer wieder nach dem suchen, was uns verbindet.

In der Medizin ist das der Patient oder die Patientin.

In unserer Gesellschaft ist es der Wunsch nach einem friedlichen, freien und lebenswerten Leben für alle Menschen in unserem Land.

Beides braucht eine starke Mitte. Nicht als kleinsten gemeinsamen Nenner. Sondern als einen Ort, an dem Vielfalt möglich bleibt, ohne dass das Gemeinsame verloren geht.

Vielleicht ist gerade das heute eine unserer wichtigsten Aufgaben: offen zu bleiben, ohne beliebig zu werden. Haltung zu zeigen, ohne auszugrenzen. Und bei aller Unterschiedlichkeit niemals den Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Stand: 19.10.2026

Kieferorthopädische Versorgung im Wandel

Der Deutsche Bundestag hat am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Für die kieferorthopädische Versorgung konnten einige der ursprünglich vorgesehenen Einschränkungen abgemildert werden. Dennoch wird sich die Versorgung gesetzlich versicherter Patientinnen und Patienten in den kommenden Jahren erheblich verändern.

Der zunächst geplante enge Fachzahnarztvorbehalt wurde in dieser Form nicht umgesetzt. Für bereits erworbene Masterabschlüsse in Kieferorthopädie und für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die bereits kieferorthopädisch tätig sind, sind Übergangs- und Bestandsschutzregelungen vorgesehen.

Welche Qualifikationen künftig als gleichwertig anerkannt werden und unter welchen Voraussetzungen praktische Erfahrungen für die Teilnahme an der kieferorthopädischen Versorgung ausreichen, soll nun durch die Selbstverwaltung geregelt werden. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband müssen hierzu innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes entsprechende Kriterien festlegen.

Gleichzeitig werden die kieferorthopädischen Leistungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung neu geordnet und zu Leistungskomplexen zusammengefasst. Hinzu kommen eine strengere Budgetierung und weitere finanzielle Begrenzungen. Damit ist absehbar, dass die Möglichkeiten, kieferorthopädische Behandlungen im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung durchzuführen, künftig enger werden können.

Die GZM beschäftigt sich daher intensiv mit der Frage, wie kieferorthopädische Diagnostik und Behandlung auch weiterhin qualifiziert durch entsprechend fortgebildete Zahnärztinnen und Zahnärzte angeboten werden können.

Dabei wird auch die Versorgung außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung eine größere Rolle spielen. Kieferorthopädische Behandlungen können, soweit sie nicht oder nicht vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, auf privater Grundlage vereinbart und abgerechnet werden. Voraussetzung hierfür sind eine fachlich fundierte Qualifikation, eine sorgfältige Indikationsstellung, eine transparente Aufklärung der Patientinnen und Patienten sowie eine rechtssichere Vereinbarung und Abrechnung.

Die GZM ist deshalb derzeit dabei, eine zweitägige Fortbildung aufzubauen, die Zahnärztinnen und Zahnärzten die notwendigen fachlichen und organisatorischen Grundlagen für die kieferorthopädische Tätigkeit vermitteln soll.

Ein fester Bestandteil dieser Fortbildung wird auch die private Abrechnung kieferorthopädischer Leistungen sein. Dabei sollen unter anderem folgende Fragen behandelt werden:

– Welche Leistungen können privat angeboten werden?
– Wie werden Behandlungsumfang und Kosten transparent vereinbart?
– Welche Aufklärungs- und Dokumentationspflichten sind zu beachten?
– Wie lassen sich kieferorthopädische Behandlungskonzepte rechtssicher und nachvollziehbar abrechnen?
– Wie kann die Zusammenarbeit mit Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzten für Kieferorthopädie sinnvoll gestaltet werden?

Die neue GZM-Fortbildung soll ab 2027 angeboten werden. Weitere Informationen zu Aufbau, Inhalten, Referentinnen und Referenten sowie zu den Veranstaltungsterminen werden wir unseren Mitgliedern rechtzeitig bekannt geben.

Unser Ziel ist es, Zahnärztinnen und Zahnärzte dabei zu unterstützen, auch unter veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen qualitätsgesicherte kieferorthopädische Behandlungen anbieten zu können und die Versorgung der Patientinnen und Patienten langfristig zu sichern.

GKV-Reform: Fachzahnarztvorbehalt in der Kieferorthopädie deutlich abgeschwächt

Der Deutsche Bundestag hat am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Auch der Bundesrat ließ das Gesetz passieren. Für die Zahnmedizin bringt die Reform weitreichende finanzielle Einschnitte, in der Kieferorthopädie konnten ursprünglich geplante Verschärfungen jedoch deutlich abgemildert werden.

Der zunächst vorgesehene enge Fachzahnarztvorbehalt für kieferorthopädische Behandlungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung wurde in dieser Form nicht umgesetzt. Für bereits erworbene Masterabschlüsse in Kieferorthopädie soll ein Bestandsschutz möglich sein. Zudem erhalten bereits kieferorthopädisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte eine Übergangsfrist von vier Jahren.

Welche Qualifikationen künftig als gleichwertig zur Fachzahnarztanerkennung gelten und welche praktische Erfahrung für die Teilnahme an der kieferorthopädischen Versorgung ausreicht, sollen die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes im Bundesmantelvertrag festlegen. Die Bundeszahnärztekammer erhält dabei ein Stellungnahmerecht.

Gleichzeitig sieht das Gesetz deutliche Einschnitte vor. Für die Jahre 2027 bis 2029 wird die Vergütungsentwicklung streng begrenzt. Auch die Boni beim Zahnersatz werden reduziert. Darüber hinaus sollen die bisherigen kieferorthopädischen Bema-Leistungen bis zum 30. Oktober 2028 in vier Leistungskomplexe zusammengeführt werden. Vorgesehen sind Komplexe für Frühbehandlungen, Behandlungen Minderjähriger, Erwachsenenbehandlungen sowie für die Feststellung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs.

Zahnärztliche Verbände bewerten das Ergebnis daher unterschiedlich. Positiv hervorgehoben wird, dass ein umfassender Fachzahnarztvorbehalt und damit erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung verhindert werden konnten. Kritisch gesehen werden jedoch die neue Budgetierung, die geplanten Leistungskomplexe und der wachsende wirtschaftliche Druck auf Praxen und zahntechnische Labore.

Insbesondere die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung warnt davor, dass medizinisch notwendige Leistungsentwicklungen, präventionsorientierte Versorgungskonzepte und Angebote für vulnerable Patientengruppen künftig nicht mehr ausreichend abgebildet werden könnten. Auch für die flächendeckende Versorgung und die Niederlassungsbereitschaft in ländlichen Regionen werden negative Folgen befürchtet.

Für die kieferorthopädische Versorgung beginnt nun eine entscheidende Phase: Die konkrete Ausgestaltung der Qualifikationsanforderungen und der neuen Vergütungsstrukturen liegt weitgehend bei der Selbstverwaltung. Von den anstehenden Verhandlungen wird abhängen, wie praxistauglich, qualitätsorientiert und versorgungsnah die neuen Regelungen tatsächlich umgesetzt werden.

Wer definiert eigentlich Kompetenz?

Kompetenz im Gesundheitswesen lässt sich nicht allein durch Berufsbezeichnungen, formale Titel oder gesetzliche Regelungen beschreiben. Sie entsteht vielmehr im Zusammenspiel von fundierter Ausbildung, klinischer Erfahrung, kontinuierlicher Fortbildung, wissenschaftlicher Neugier und der verantwortungsvollen Anwendung von Wissen.

Aktuelle berufspolitische Diskussionen über die zukünftige Ausgestaltung der kieferorthopädischen Versorgung machen deutlich, wie grundlegend diese Frage ist. Wer entscheidet darüber, welche Qualifikation zur Behandlung bestimmter Patientinnen und Patienten befähigt? Welchen Stellenwert haben praktische Erfahrung, strukturierte Zusatzqualifikationen und langjährige Tätigkeit neben einer formalen Fachgebietsbezeichnung?

Diese Fragen betreffen nicht nur die Kieferorthopädie. In einer zunehmend spezialisierten Medizin liegen viele diagnostische und therapeutische Herausforderungen gerade an den Schnittstellen verschiedener Fachrichtungen. Chronische Erkrankungen, funktionelle Beschwerden, Schmerzen und Entzündungsprozesse lassen sich häufig nicht vollständig innerhalb einer einzelnen Disziplin erfassen.

Hier setzt die systemisch-orale Medizin an. Sie betrachtet die Mundgesundheit nicht isoliert, sondern als Teil eines komplexen biologischen Gesamtsystems. Sie verbindet Erkenntnisse aus Zahnmedizin, Humanmedizin, Naturwissenschaften und Erfahrungsheilkunde und schafft damit neue Perspektiven auf Diagnostik, Prävention und Therapie.

Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht dabei nicht ausschließlich aus bereits abgeschlossenen Erkenntnissen. Häufig beginnt er mit klinischen Beobachtungen, mit neuen Fragestellungen und mit der Bereitschaft, etablierte Denkmodelle kritisch zu hinterfragen. Entscheidend ist der offene Dialog zwischen wissenschaftlicher Evidenz, praktischer Erfahrung und interdisziplinärem Austausch.

In der aktuellen Ausgabe der „Systemisch Oralen Medizin“ greifen unsere Autorinnen und Autoren diese Verbindung auf. Die Beiträge beleuchten wissenschaftlich fundierte Themen ebenso wie Fragestellungen, die in der klinischen Praxis und Erfahrungsheilkunde seit vielen Jahren eine wichtige Rolle spielen. Sie vermitteln fachliches Wissen, eröffnen neue Blickwinkel und laden dazu ein, Zusammenhänge über Fachgrenzen hinweg zu betrachten.

Das vollständige Editorial sowie weiterführende Fachbeiträge lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Systemisch Oralen Medizin“.